Einführung in die Baureihen

Okt 14, 2020 Dampflok
01 005 Straßfurt 01.04.2006, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Was ist eine Baureihe?

Eine Baureihe ist der Typ bzw. die Bauart (und Bauweise) einer Lokomotive. Eine Baureihe kann auch Klasse oder Gattung genannt werden.

So haben die Lokomotiven einer Baureihenbezeichnung normalerweise die gleiche Radsatzfolge, also die gleiche Anordnung der Räder / Radsätze.
In Deutschland wird diese Radsatzfolge, die früher Achsfolge genannt wurde, so bezeichnet:

– Die Vorlaufradsätze erhalten arabische Ziffern
– Die Treibradsätze erhalten Buchstaben
– Die nachlaufenden Radsätze erntahlten wiederum arabische Ziffern

1 oder A bedeutet ein Radsatz, eine 2 oder ein B zwei, eine 3 oder ein C demzufolge drei Radsätze, D vier, E fünf und schließlich F sechs Radsätze.

Bewegliche Radsätze erhalten ein Apostroph hinter der Bezeichnung, also 2’C1’ bedeutet zwei Vorlaufradsätze, die beweglich (in einem Drehgestell) angeordnet sind, drei Treibradsätze (im Rahmen) und einen Nachlaufradsatz (wiederum beweglich).

Einzelradsatzgetriebe Lokomotiven (z. B. Elloks) erhalten ein kleines o dahinter. Also kennzeichnet Bo’Bo’ eine Lokomotive, die jeweils zwei bewegliche Radsätze mit zwei einzeln angetriebene Radsätze in einem Drehgestell (Einzelachsantrieb) hat.

Diese Radsatzfolge wiederum kennzeichnet den Einsatzzweck, abhängig von dem Durchmesser der Treibräder. Lokomotiven mit großen Rädern sind schneller, aber weniger zugkräftig. Sie werden daher meist für Schnellzüge verwendet.

Lokomotiven mit mittelgroßen Rädern sind vorwiegend für Personen- und leichte Güterzüge geeignet. Lokomotiven mit kleinen Rädern dagegen werden für Güterzüge und Rangieraufgaben genutzt. Bei den modernen Lokomotiven fällt diese Unterscheidung weg. Heute ist der Durchmesser aufgrund elektronischer Drehzahl-Überwachung, Schleuderschutz etc. ganz leicht.

So haben z. B. alle Lokomotiven der Baureihe 01 – unten auf dem Foto gut zu erkennen – die Radsatzfolge 2`C1`, unabhängig von der Betriebsnummer. Denn der Baureihen-Nummer 01 folgt die Betriebsnummer, zum Beispiel 006. Das ist dann meist die 6. Lokomotive dieser Serie.

01 006 in Gießen 1964, fotografiert von Klaus D. Holzborn
01 006 in Gießen am 26.09.1964, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Nun gibt es natürlich mehrere Lokomotiven mit einer identischen oder ähnlichen Radsatzfolge. Diese unterscheidet das deutsche System durch Hunderter oder Tausender Nummerngruppen.

Historie der Baureihe 01

Bleiben wir bei der Baureihe 01. Bis zum Jahr 1938 wurden die Lokomotiven 01 001 bis 01 232 gebaut. Daher wäre theoretisch für die geplante Stromlinienlokomotive die nächste frei Nummerngruppe ab 01 301 gewesen, doch bezeichnete man sie als 01 1001 und folgende.

Die Deutsche Reichsbahn in der DDR plante in den fünfziger Jahren auch eine völlig neue Baureihe 01, die dann 01 2001 heißen sollte. Da diese aus verschiedenen Gründen unrealisiert blieb, wurden nur 35 Lokomotiven der alten 01 rekonstruiert. Sie wurden mit neuen Hauptbauteilen versehen, wie neuen Kesseln, neue Zylindern etc. Dann wurden sie als 01 501 und folgende bezeichnet. Das heißt mit anderen Worten, die Vergabe der Hunderternummern folgte weniger logischen Vorgaben.

Nun kamen die Erfinder dieses Baureihenschemas auf eine weitere findige Lösung. Die Lokomotiven 01 001 bis 232 (später bis 241) wurden als 01.0-2 bezeichnet. Alternativ als 01 hoch 0-2 also 010-2, vereinfacht auch 01 hoch 0 oder010. Die Reichsbahn-Reko-Loks demzufolge als 01.5 oder 015. Die Stromlinienlokomotiven als 0110 oder 01.10. Der Punkt wurde gewählt, weil seinerzeit mit Schreibmaschinen die Hochzahlen nur schwierig zu realisieren waren, wenn einzeilig geschrieben wurde.

Diese Baureihenbezeichnung enthält jedoch noch mehr Informationen für Eingeweihte. So sind die geraden Anfangsziffern (dazu zählt auch die Null) Einheitslokomotiven, die ungeraden Länderbahnlokomotiven. Doch dieses System wurde durchbrochen, da es zu wenig freie Baureihennummern gab. Manchmal wurdeauch eine Ziffer übersprungen (z. B. Baureihe 71 neu, obwohl 63 oder 69 noch frei gewesen wären).

Baureihen kennzeichnen die Nutzung der Lokomotiven

Die Schnellzuglokomotiven (Gattung S) haben die Bezeichnungen 01 bis 19 erhalten, davon waren die 01 bis 10 Einheitslokomotiven und ab 11 bzw. 12 bis 19 Länderbahnlokomotiven.

Die Personenzuglokomotiven (Gattung P) wurden die Einheitslokomotiven zu 22 bis 25, die Länderbahnlokomotiven zu  33 bis 39. Wobei hier die 22 die rekonstruierten 39er waren.

Die Güterzuglokomotiven (Gattung G) wurden zu 41 bis 59, Länderbahnlokomotiven zu 52 bis 59, Einheitslokomotiven abweichend von 41 bis 52 (obwohl genug Nummern frei gewesen wären).

Mit der Baureihe 60 fangen die Tenderlokomotiven an. Das heißt, diese Lokomotiven haben keinen eigenen Tender (Kohlewagen), sondern führen die Vorräte auf der Lokomotive in seitlichen oder hinteren Kohle- und Wasserbehältern mit.

Personenzug- und Schnellzugtenderlokomotiven (Gattung Pt und St) sind die 60 bis 79, davon 71 bis 79 Länderbahn (mit Ausnahme der 71.0, die zum zweiten Mal belegt wurde),

Güterzugtenderlokomotiven (Gattung Gt) sind die 80 bis 96, davon 88-96 Länderbahn (mit Ausnahme der 89.0, die  zum zweiten Mal belegt wurde).

Die Baureihe 97 fasst alle Zahnradlokomotiven (Gattung Z) zusammen,
die Baureihe 98 alle Lokalbahn- oder Secundärbahn-Lokomotiven (Gattung L) und schließlich ist die Baureihe 99 das Sammelsurium für Schmalspurlokomotiven (Gattung K – weil S ja schon belegt war – was wiederum Kleinspur bedeutete!).

Während bei fast allen Baureihen, auch Länderbahnen (das waren die 1920 bereits vorhandenen Bauarten) Hundertergruppen zur Unterscheidung dienen, mussten bei den Kleinspur- respektive Schmalspurlokomotiven Zehnergruppen gewählt werden, daher zählt die 99 5901 zur Baureihe 99590 oder 99.590.

Die Gattungsbezeichnung als ergänzende Angabe

Früher (und heute bei einigen Lokomotiven) ist ein Gattungszeichen angebracht worden, was wiederum auf die Gattung (siehe vor) zurückgeht, aber weitere ergänzende Angaben bringt.

So hat die 01 das Gattungszeichen S36.20. S bedeutet Schnellzuglokomotive, die 36 bedeutet 3 angetriebene Radsätze, die 6 dann die Gesamtzahl der Radsätze (also abgeleitet aus der Radsatzfolge), die 20 die Radsatzlast (früher Achsdruck, in der DDR- Literatur als Achsfahrmasse bezeichnet).

Die Radsatzlast oder der bisherige Achsdruck wird in Tonnen gemessen. Er stellt den höchsten Wert dar, den irgendein Radsatz aufbringt. Also bedeutet die 20 bei S36.20 dann 20 Tonnen Radsatzlast.

Dieses war früher wichtig, da viele Strecken nur für 15 oder 17 Tonnen zugelassen waren, und so konnte jeder gleich ohne Umzurechnen an der Lok ablesen, welche Radsatzlast die Lok hat.

Erläuterung der Führerhausbeschriftung der 01 005

01 005 Straßfurt 01.04.2006, fotografiert von Klaus D. Holzborn
01 005 Sraßfurt 01.04.2006, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Hier ein Beispiel einer Führerhausbeschriftung an der Museumslok 01 005:
Oben die Eigentumsangabe, bei der DB auch das DB-Zeichen oder der Hoheitsadler bei der DRG, darunter die Lok-Nummer mit einer Lücke zwischen der Baureihenbezeichnung und der Ordnungsnummer.

Loks mit Computer-Nummern haben noch einen Bindestrich und eine Kontrollziffer (ganz neue UIC- bzw. NVR-Beschriftungen sehen noch anders aus, hier ist dann die Eigentumsbezeichnung im Schlüsselfeld enthalten) .

Links dann die Eigentumsdirektion und darunter das Bw-Schild, wo die Lok beheimatet ist (oder war), rechts das Gattungsschild. Das Dreieck mit dem Aufsatz bedeutet, dass diese Lok nicht profilfrei ist, aber durch Abnahme bestimmter Teile (wie den Kaminaufsatz) wieder profilfrei werden kann (z. B. zur Fahrt in die Niederlande, dort hängt teilweise die Fahrleitung niedriger als bei uns).

Kbr bedeutet Knorrbremse mit P (Personenzug-) und G (Güterzug-Stellung) mit Zusatzbremse (Z), letzte Bremsrevision 31.05.1991, Br.Unt. bedeutet Bremsuntersucherung, diese muss einmal jährlich durchgeführt werden.

Weitere Anschriften sind die Gestängebauart, die hier fehlen. Auch die Angaben im Roten sind nicht ganz korrekt.

Aber bleiben wir bei der Baureihe 01. Unten ist ein Foto der 001 199-9 mit Computer-Nummer zu sehen. Dafür wurde bei der DB bei den Dampfloks eine 0 vorgesetzt, bei Elloks eine 1, bei Dieselloks eine 2, eine 3 bei Rangier-Kleinloks, eine 4 oder 5 bei elektrischen Triebwagen (5 = mit Akku), eine 6 bei Dieseltriebwagen, eine 7 bei Dienstfahrzeugen, 8 und und 9 sind Bei- und Steuerwagen bei elektr. und Dieselfahrzeugen.

001 199 in Bestwig 1970, fotografiert von Klaus D. Holzborn
001 199 in Bestwig 04.04.1970, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Bei der Deutschen Reichsbahn (DR) war es anders, dort blieben die Dampfloknummern zum größten Teil erhalten. Nur die mit 1 beginnenden waren die Dieselloks oder Dieseltriebwagen und die mit 2 Elloks oder elektrische Triebwagen. Daher mussten nur wenige Dampfloks, nämlich die Baureihen 18, 19, 22, 23 und 24, umgezeichnet werden in 02, 04, 39, 35 und 37.

Nach der Wiedervereinigung wurde das DB-System deutschlandweit eingeführt, nur einige dampfbetriebene Privatbahnen benutz(t)en weiterhin das DR-Schema, so z. B. die HSB und Molli, aber auch andere Bahnen und viele Museumsbahnen.

Dampfloks der Baureihe 01.1 mit Verjüngungskur

Auch bei der DB wurden die Loks der Baureihe 01.1 einer Verjüngungskur unterzogen. Hier erhielten diese Maschinen einen neuen Kessel mit Verbrennungskammer und Mischvorwaermer MV57, kurz Neubaukessel genannt.

Die oben abgebildete 01 199 trug am 4. April 1970 in Bestwig ihre neue Betriebsnummer. Im Gegensatz zur DR behielt die DB bei fünfstelligen Loknumnmern diese bei und setzte eine 0 für Dampflok davor – aus 01 199 wurde 001 199. Die Ziffer nach dem Bindestrich ist nur die Kontroll-Ziffer für das Computerprogramm und darf sonst weggelassen werden.

Die unten abgebildete 01 0535-3 trägt bereits ihre Computer-Nummer, diese wurden bei der DB ab 1968 und bei der DR ab 1970 eingeführt.

01 0535 am 20.09.1970 in Bebra, fotografiert von Klaus D. Holzborn
01 0535 am 20.09.1970 in Bebra, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Die 01 bedeutet nach wie vor die Baureihe, die folgende 0 sagt aus, dass diese Lokomotive auf Ölfeuerung umgebaut wurde. Die 535 ist die alte Ordnungsnummer, diesmal die 35. Lokomotive der alten Baureihe 01.5, neu 01.05. Sie wurde 1965 aus der 01 156 im Raw Meiningen rekonstruiert und sogleich mit Ölfeuerung ausgeliefert.

HSB-Lokomotive 99 222 verkehrt noch unter alter Nummer

Unten die Beschriftung der HSB-Lokomotive 99 222, eine der wenigen, die noch mit der alten Betriebsnummer verkehren.

99 222 in Drei Annen 13.04.2007, fotografiert von Klaus D. Holzborn
99 222 in Drei Annen 13.04.2007, fotografiert von Klaus D. Holzborn

Links am Wasserkasten die Untersuchungsdaten und Bremsangaben, rechts die Gewichtsangaben, das Bremsgewicht, der Inhalt des Wasser- und Kohlekastens. In der Mitte die Angaben wie oben. Das Dreieck beim Gattungszeichen sieht zwar lustig aus, ist aber überflüssig, da es bei Schmalspurbahnen andere Profile gibt (dieses hat die DR erfunden). Jede Bahn hat ihr eigenes Profil (nur wenn es Tunnel oder enge Durchfahrten gibt). Es wurde bei der DR jedoch dafür verwendet, um anzuzeigen, ob die Lok auf dem Schmalspur-Transportwagen zum Ausbesserungswerk profilfrei ist.

Aus dem Bildarchiv Holzborn kannst Du ab sofort Fotoabzüge, digitale Downloads und Geschenkartikel (z. B. Tassen und Schlüsselanhänger) erwerben. Die Baureihe 01 ist schon mit mehreren hundert Bildern vertreten!
Du findest das Bildarchiv hier:

Die Bilder werden in den Rubriken: Dampflok, Diesellok, E-Lok und Triebwagen angeboten. In den Rubriken gibt es einzelne Ordner für die Baureihen.

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